Analyse der “heute-show” vom 18.05.12

Die drittletzte Folge vor der Sommerpause. Inhalte über Inhalte, kann man nur sagen.

Die Ausgabe im Überblick:

Bester Spruch von Welke: (Zuvor wurde ein Interview mit Andrea Nahles gezeigt, in dem sie ausdrückt, dass sie sich für die SPD freut) “Äh.. ehrlich gesagt hab ich nur verstanden lalalalalala SPD. Und dieses Dauergrinsen. An wen erinnert mich das eigentlich?” (Darauf wird ein Bild von der “Grinsekatze” gezeigt) “Ah! Die Grinsekatze aus Alice im Wunderland, richtig. Das war’s.”

Beste Fotomontage: Das Schild “Hör mal wer da NICHT hämmert” mit der Baustelle des Willy-Brandt-Flughafens im Hintergrund (als Anlehnung an die Comedy-Serie “Hör mal wer da hämmert”)

Beste Schalte: Zu Petra Radetzky, die sich die Baustelle am Willy-Brandt-Flughafen genauer ansieht. Auf die Frage von Welke, ob Baufortschritte erkennbar seien, antwortet sie ironisch, dass sich die Arbeiter ja übermenschlich anstrengen würden – daraufhin wird eine Videoaufnahme der stillstehenden Flughafenbaustelle gezeigt. Petra Radetzky beteuert auch, dass sie versucht habe nachzufragen, warum es nicht vorwärts geht. Ging aber aus einem guten Grund nicht – keiner ist da. In diesem Zusammenhang zieht sie auch darüber her, dass wir (Deutschland) von den Ukrainern erwarten würden, dass sie die Stadien für die kommende EM pünktlich fertiggestellt haben.

Gast: Der Gast-Sessel ist wieder mal leer geblieben.

Studio-Aktion: Gab’s auch keine.

Animation: Zwei Animationen kamen vor. Zum einen fragt Oliver Welke den Euro, ob er Griechenland behalten will. Daraufhin übergibt sich der Euro in Form von Cent-Stücken. In der zweiten Animation läuft in Petra Radetzky’s Schalte ein Mainzelmännchen in Bauarbeiteruniform mit brennendem Helm an ihr vorbei, in der Rolle des Brandschutzbeauftragten.

Weitere Inhalte: Gleich zu Anfang wird über den Rausschmiss vom ehemaligen Umweltminister Norbert Röttgen hergezogen. Einige Ausschnitte aus Nachrichtensendungen werden gezeigt, auch das Interview mit Horst Seehofer. Der Nachfolger Peter Altmaier wird auch direkt einmal vorgestellt. / Eine Schalte zu Albrecht Humbolt, mit dem geklärt werden soll, ob Deutschlands Regierung in der Angelegenheit des Rausschmeißens so hart bleiben will. Tina Hausten erklärt in derselben Schalte Horst Seehofers ausgeklügelte Strategie in Sachen Wählerstimmen ernten. / Der aktuellste Stand von Oskar Lafontaine wird mitgeteilt. / Carsten van Ryssen und Lutz van der Horst gehen beide jeweils auf einen Wahlabend. Schon zu Anfang streiten sich beide darum, wer zur SPD geht. Diesen Kampf entscheidet van der Horst mit einer Kopfnuss für sich. Später erlaubt sich van der Horst den Scherz, Hannerlore Kraft mit “Frau Bundeskanzlerin” anzureden. Van Ryssen vesucht bei der CDU Stimmung zu machen – ob ihm das gelungen ist, ist Ansichtssache. / Der neue französische Präsident François Hollande wird im Amt begrüßt und über das schlechte Wetter an diesem Tag wird hergezogen. Als Welke am Ende aufzählt, was der arme Hollande durchmachen musste, nämlich Regen, Hagel und Blitze, fällt ihm auf – Gott mag wohl keine Sozialisten. / Bei “heute-show History” geht es diesmal um die Geschichte von Berlin. / Im Abspanntext der Sendung werden in Anlehnung an die Röttgen-Entlassung sämtliche Namen der “heute-show”-Mitarbeiter durchgestrichen, die Welke entlassen will. Es sind alle außer ihm selbst. Sogar die Produktionsunternehmen werden mit einem roten Strich versehen.

Quoten: Mit 10,2% Marktanteil und 2,36 Mio. Zuschauern kann man getrost sagen – es ist alles in Ordnung.

Gesamt-Note: 1-

Für mich war das eine klasse Ausgabe der “heute-show”, Stoff zum Lachen gab es im Überschuss, und die Themen sind zu keiner Zeit rar geworden. Ich hätte eine 1 gegeben, wenn da mal wieder ein Gast gewesen wäre. Das Element fehlt definitiv.

Nunja, hoffen wir, das die Quoten weiterhin so bleiben und wir mal wieder jemanden auf dem Gast-Sessel sehen dürfen.

Voll cool: Welke im Paradies

„Er spielt auf der TV-Klaviatur die weißen und die schwarzen Tasten – manchmal sogar gleichzeitig (…) Meine Güte, was macht dieser Mann alles?“ Ja, das haben wir uns auch vor kurzer Zeit mal gefragt und kamen zu dem Schluss, dass Oliver Welke wenigstens die Anzahl seiner Promoauftritte reduzieren sollte, was er natürlich nicht getan hat. Jedenfalls war ebendieser Welke am gestrigen Abend zu Gast beim „bengalischen Feuer der deutschen Fernsehshows“, der „Fernsehschande“ „neoParadise“, dem Zuhause von Joko & Klaas, die so ein bisschen auch die neue, junge, hippe, frische und voll coole Fernsehgeneration repräsentieren. Und wer passt da besser rein als ein Oliver Welke, der gerade richtig aufblüht, wie man mittels Bildunterschrift richtig feststellt?

© ZDFneo / Endemol Deutschland

© ZDFneo / Endemol Deutschland

Er passt da so sehr rein, dass es ihm gar merklich schwerfällt, in seinem schnieken Anzug eine bequeme Position auf dem Sofa zu finden. Nachdem Prof. Dr. Dr. Jo Gerner alias Wolfgang Bahro alias „der Typ aus ,GZSZ’ “ bereits den beiden quietschfidelen Wonneproppen der deutschen Fernsehunterhaltung Rede und Antwort stand, durfte Welke seine geballte Fußballfachkompetenz unter Beweis stellen, indem er seine Auffassungen zum Relegationschaos (Er erzählte auch von seinem Dortmunder Meisterrasen, der bereits tot sei, aber auf seinem heimischen Schreibtisch liege.), zum Champions League-Finale („Chelsea – Die wissen, wie man Fußball zerstört“) und zu Superzeitlupen im Sport sowie eine amüsante Anekdote aus der frühen „ran“-Zeit zum Besten gab.

Apropos „ran“: Auch wenn der Anchor nicht darauf einging, bemerkte Herr Winterscheidt, dass das „Finale dahoam“ auch das letzte Mal großer Fußball für einige Kollegen wie Johannes B. Kerner sei; Welke hat sich dagegen ja fein aus der Affäre gezogen und darf bald die Königsklasse präsentieren. Zudem wurde auch das Thema der verschiedenen Ebenen der Arbeit der „wandelnden Breaking News und Sonne der ,heute’-Redaktion“ angerissen. Außerdem meinte Olli, dass die „Satire auf allerhöchstem Niveau“ zumindest mit der schwarz-gelben Regierung funktioniere und ebendiese Sendung Rainer Brüderle erst bei den Jüngeren populär gemacht habe.

Auch konnte Welke Vorfreude auf die heutige Sendung wecken: „Da gibt´s mal so Wochen, wo die Nachrichtenlage ein bisschen dünner ist und dann gibt Horst Seehofer ein Interview im ,heute-journal’ und alles ist wieder gut.“ Sogar wenn er außerdem ironisch bemerkte, dass diese Woche ja so viel passiert sei, können wir uns wohl auf die satirische Bearbeitung des Ereignisses freuen.

Den Auftritt anschauen kann man sich ab Minute 35 in der ZDF-Mediathek.

Die KRAFT von NRW

Jaaaaa, liebe deutsche Mitbürger außerhalb von Nordrhein-Westfalen: So geht das! So macht man das! Wenn das bevölkerungsgrößte und wichtigste Bundesland der Republik wählt, dann bleibt fast kein Stein mehr auf dem anderen. Ihr wisst doch, was die Medien sagen – eine vorgezogene Bundestagswahl ist das! Da seid ihr anderen alle so klein mit Hut gegen (hab jetzt keine Lust gehabt, meinen Daumen und meinen Zeigefinger zu fotografieren und hier als Bild einzufügen, um den Unterschied bildlich zu demonstrieren), denn wer bitteschön interessiert sich schon ernsthaft dafür, wer in Pusemuckelländern wie Me… ach!… lassen wir das lieber, denn sonst gibt es wieder Proteste von Minderheiten und sowas muss ja nicht auch noch sein, wo schon Salafisten und Nationalisten derzeit so putzig gegeneinander kämpfen. Auch das gibt es aber übrigens nur bei uns in NRW! Und damit sind wir wieder zurück beim eigentlichen Thema: Wenn wir tollen Bürger von NRW erstmal wählen und damit zu “NRWählern” werden (Haha! Welch geiles Wortspiel!), dann geht es so richtig ab. Dann zeigen wir euch, was eine Hake respektive eine Grubenhacke ist! Wir trauen uns wenigstens noch was. Auch ohne umstrittenen Kopfbahnhof. Bei uns können die Menschen mehrheitlich wenigstens noch klar denken und sind bodenständig genug, nicht nur den ganzen Bund am Kacken zu halten (´tschuldigung für den vulgären Ausdruck!), sondern auch vernünftig zu wählen. Da verwundert es nicht, wenn die alles überstrahlende Landesmutter Hannelore “ich-bin-die-Sympathie-in-Person” Kraft haushoch gegen ihren “Gegner” Norbert “ich-fahr-mit-dem-Fahrrad-zur-Sitzung” Röttgen gewinnt. Da verwundert es nicht, wenn die Linken aus dem Landtag fliegen. Da verwundert es nicht, wenn die Piraten nicht genug Stimmen bekommen, um wichtige Koalitionen verhindern zu können. Da wundert es nicht, dass die FDP mit Christian Lindner der “heute-show” zuliebe im Landtag verbleiben darf. Und da wundert es erst recht nicht, wenn der Chef-Autor des “heute-show”-Fanblogs, der als einziges Mitglied seiner Autorenschaft aus NRW stammt, sein Herkunftsland mal in den höchsten Tönen loben muss und stolz auf selbiges sein kann.

Das einzige, was im Nachhinein verwundert, ist, dass die extravagante Art der Wahlkampfführung zu solch klaren Ergebnissen führen konnte. Insbesondere die Wahlplakate dominierten das Kuriositätenkabinett im Nordrhein-Westfalen der letzten Wochen. Glauben Sie nicht, weil sie nicht aus NRW sind, weil Sie keiner von uns sind, keiner von dem Völkchen zwischen Rhein und Ruhr, welches seit gestern erhobenen Hauptes durch seine eigenen, aber auch durch alle restlichen Ländereien der BRD stolzieren darf? Na, dann passen Sie mal auf! Nicht umsonst habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, extra für euch Underdogs möglichst viele besondere Beobachtungen bei allen großen Parteien zusammenzustellen:

CDU
Wenn die Wahlplakate schon nix sind, kann auch das Wahlergebnis nix werden. Um das zu wissen, muss man nicht unbedingt Röttgen heißen, denn der weiß es ja anscheinend sowieso nicht. Ließ sich mit einem armen Kind auf einem riesigen Plakat ablichten, schaute es technokratisch an und wurde vom wenig einfallsreichen Randschriftzug “NRWNorbert Röttgen Wählen” begleitet. Was stand eigentlich noch als große Themenünberschrift auf seinen Plakaten? Hm… keine Ahnung. Schon wieder vergessen. Oder gar nicht erst richtig hingeschaut. Ärgerte man sich ja auch immer nur, wenn man das arme Kind da neben dem Drahtesel in Person sitzen sehen musste. Ja, Drahtesel passt: Zusammengeflochten aus biegsamem Material, graues Fell, sagt nur IA, keiner versteht ihn und in Wahrheit will er nur wieder zurück in den sicheren Stall – nach Berlin. Sagen Sie mal (auch wenn Sie nicht aus NRW kommen): Wie doof kann ein Politiker eigentlich nur sein, he?! Wenn ich einen Posten doch eigentlich gar nicht richtig will, Spitzenpolitiker und Bundesminister in Berlin bin und im Grunde auch dort bleiben möchte – ja, wieso stelle ich mich dann überhaupt zur Wahl?! Das kann doch sowieso nicht klappen und ich muss mich nur unnötigen Blamagen aussetzen! Wird Norbi jetzt verröttgen? In der Asse? Oder in Muttis Schwitzkasten? Keiner weiß es. Aber ehrlich gesagt: Es interessiert ja auch keinen. Wahlergebnis für die Partei des Biking-Kings? 26,3 Prozent. Das schwächste Ergebnis seit es die CDU in NRW gibt. Und das ist im Übrigen schon viel zu lange der Fall. Eigentlich sind diese 26,3 sogar immer noch viel zu viel für einen – ja, man möchte fast schon sagen – Berliner Verräter. Wer konnte denn nur so dumm sein, ihm und seiner Partei überhaupt noch seine Stimme zu geben? Gibt es etwa doch ein paar Menschen in NRW, die nicht zurechnungsfähig sind? Nein, das waren wohl verkleidete und gesponserte Saarländer, die da ihre Kreuze gemacht haben…! Müssen ja schließlich auch mal ´n bisschen was dazuverdienen, diese armen kleinen Halbfranzosen mit der Ministerpräsidentin, die sich – im Gegensatz zu unserer – zu fein war, einen Künstlernamen anzulegen und deshalb immer noch mit ihrem sperrigen Doppelnamen durch den Saarbrücker Landtag geistert.

SPD
Sie ist die Heilsbringerin, die Lichtgestalt, die Kümmererin, die Landesmutter, die personifizierte Sympathie, die menschgewordene Sonne der SPD, neben Joachim Gauck die beliebteste Politikerin im Lande (Ach nee, Moment, der Bundespräsident ist ja gar keine Politikerin und schon gar kein Politiker, sondern unser Ersatzkaiser!) – unsere über die Maßen geliebte Hannlore Kraft, geb. Külzhammer! Wer laut Wahlplakaten “NRW im Herzen” hat, kann kein schlechter Mensch sein, muss einer von uns sein. Das spürt der NRWähler sofort. Wenn sie dieses nette Lächeln aufsetzt und den Menschen auf den Straßen persönlich die Hände drückt, ja dann erwartet ein jeder, von seiner lieben Landesmama sofort ein Paket Butterbrote in die Hand gedrückt und einen Sandfleck vom Fußballspielen mit Spucke aus dem Gesicht gewischt zu bekommen. Sie ist die Göttin unter den Müttern. Kein Wunder also, dass sie sich immer am Muttertag wählen lässt. Da stehen ihre Chancen besonders gut. Vor allem, wenn der direkte politische Widersacher gerade vom Sattel gefallen ist. Die Herzenswärme der Hannelore verschmilzt gekonnt mit der Liebe zum eigenen Bundesland und der Heimatpartei, wenn man z.B. liest “SPD ist Currywurst”. Da verzeiht man der Mama auch jede Plakativität und stört sich nicht daran, wenn es syntaktisch lückenhaft heißt “Kommunen stärken! Gut für NRW!”. Geblendet von der KRAFT ist das Wahlergebnis klar und eigentlich sogar noch viel zu niedrig: 39,1 Prozent! Frau Kraft, die NRW-SPD und ihre Wähler – das ist traumhaft komponierte Musik aus einer fernen Polit-Galaxie. Unerreicht für andere Parteien in anderen Ländern. Und leider wohl auch für dieselbe Partei im Bund… Wer unserer Landesmutter da noch Kanzlerambitionen nachsagt, hat unser System und unsere Gefühle in NRW nicht verstanden.

Grüne
Wo eine Lehrerin Politik macht, muss es ja solide zugehen. Nichts Außergewöhnliches also, dass Sylvia Löhrmann es geschafft hat, das Wahlergebnis der letzten Landtagswahl in NRW von 2010 nahezu zu halten. 11,3 Prozent stehen hier nüchtern zu Buche. Dabei ist die Obergrüne bei uns eigentlich gar nicht so nüchtern. Wer mit der Strahlemama zusammen Ostereier verteilen kann, wenn man meint “Jede KRAFT braucht einen Antrieb!” und wenn man so unauffällig japanische Kimonos tragen kann, dass keiner merkt, dass es sich um japanische Kimonos handelt, dann zeigt das alles: Hier herrscht keine Nüchternheit, sondern nachbarschaftliche Eleganz. Löhrmann wirkt in der Tat wie die Nachbarsmutter der Familie Kraft, die mit ihrer Amtskollegin gerne mal in Sachen herzlicher Umarmunng herzlich über die Stränge schlägt. “Schön, wenn Frauen wieder den Haushalt machen!” hieß es da also nicht zu unrecht auf einigen grünen Wahlplakaten, auf denen dann auch noch beide Familienmütter Arm in Arm lächelnd nebeneinander stehen und wissen, was sie an ihrem Leben haben. Lässt Löhrmann sich mit dem Spruch “Nur das die Beste für unsere Kinder!” auf einer anderen Plakatversion an die Wände kleben, so ist das mütterliche Arroganz und zeigt, dass Mama Löhrmann sich für ihre Kinder keine andere Mutter als sich selbst wünschen würde – auch keine Mama Kraft. So toll die auch ist. Eines hat die Lehrerin der hoffnungsfarbenen Partei allerdings nicht: Ahnung von Umweltthemen. Wenn “Solar statt so lala” auf Plakaten steht, weiß der NRWähler, dass zwar Nachbarsjunge Norbi mehr von Umwelt versteht, aber das ganze Thema in NRW auch im Grunde genommen völlig uninteressant ist, wenn sogar die Umweltpartei sich nicht so richtig dafür ins Zeug legt. Umweltmäßig ist nach dem großen Industrie-, und Bergbauzeitalter hier sowieso alles gegessen. Da verteilt Mutterlehrerin Löhrmann lieber Ostereier. Und ob die nun grün oder rot sind – das ist in NRW eh egal. Hier ist man nunmal rot-grün-blind, bei der Begeisterung für diese Koalition.

FDP
Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lindner her! Und rettet die ganze Bundespartei vor dem sicheren Ableben gleich mit. Was ein Kubicki in Schleswig-Holstein kann, kann ein Christian Lindner in Nordrhein-Westfalen schon lange! Die verschiedensten Inhalte, garniert mit Aussagekraft, junger Eleganz und Eloquenz sowie Aufbruchsstimmung aus dem Grab der Untoten sorgen in ihrer Düsseldorfer Melange für langsam wiederkehrenden Erfolg. Es kann ein Lindner nicht nur flott und schneidig die Treppen des Bundeslandes hochspringen und gut aussehen, sondern auch die richtigen, ja sogar die inhaltlich gehaltvollsten Plakate aufhängen (lassen): “Schulen besser machen und nicht gleicher! Das Gymnasium darf nicht sterben!” (Bildung!) oder “Lieber neue Wahlen als neue Schulden!” (Finanzen!) oder “Besser viel bewegen, als im Stau ersticken! Mit NRW auf die Überholspur.” (Verkehr! & Gesamtlage!) oder…ach, es gibt kaum einen thematischen Block, den der smarte Christian nicht angegangen wäre. Aufgrund dessen, aufgrund seiner Erlöser-Funktion und aufgrund der Schwäche des Spitzenkandidaten des eigentlich gewünschten Koalitionspartners, die viele CDUler in ihre Arme getrieben hat, kam die FDP auf für sie sagenhafte 8,6 Prozent. Das hatte eben nichts mit besoffenen BVB-Fans zu tun, die in Dortmund und Umgebung am Sonntag nach dem gewonnenen Pokalfinale nicht wussten, was sie taten. Übrigens: Lindner, du bist der Kracher – nur leider in der falschen Partei!

Linke
Auf ins Jammertal, ab zu den Linken! Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn Oskar Lafontaine viel zu spät zu Wahlkampfveranstaltungen kommt, nur weil laut seinen örtlichen Parteigenossen die Autobahnen nicht frei wären und man sich ja als Linke keinen Hubschrauber leisten könne? Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn man auf Wahlplakaten “KITA für alle!” fordert, auch wenn viele Eltern ihre Kinder vielleicht gar nicht in eine Tagesstätte einlie… ähm…bringen wollen würden? Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn man auf wieder anderen Plakaten fordert “Löhne rauf – ihr seid es wert!” und keiner weiß, in welcher semantischen Relation da was wozu steht und ein paar Meter weiter Straßenmusiker den Radetzky-Marsch spielen? Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn man gerade im westlichsten aller Bundesländer verstärkt, und aufgrund des Verhaltens einiger bundesparteilicher Köpfe auch nicht ganz zu Unrecht, immer noch unter dem Vorwurf der Kommunismusverherrlichung steht? Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn die SPD einem mit Brot-und-Butter-Themen die Butter vom Brot nimmt, nur weil sie in NRW endlich mal wieder das macht, was sie auch überall sonst und im Bund machen sollte? Kann man mehr als 2,5 Prozent erwarten, wenn man so farblose Kandidaten hat, dass selbst Röttgen noch wie ein Paradiesvogel neben ihnen wirkt? Kurze und knackige Antwort auf all diese Fragen: Nein! Kann man nicht! Zumindest nicht in Nordrhein-Westfalen.

Piraten
Während die “Kollegen” von der FDP die gehaltvollsten Wahlplakate vorweisen konnten, waren es die trendigen Seeräuber, die die witzigsten, wortspielerischsten und auch plakativsten Exemplare aufgehangen haben. Wer keine wirklichen Inhalte außer seiner Netzpolitik hat, der braucht eben Kreativität. Hier die volle Drönung der Piraten-Offensive – ungekürzt (welch Wunder!) und unkommentiert – welche schon durch die einheitliche und kompakte Größe aller ihrer Wahlplakate angenehm hervorstach: “Für dieses System ist ein Update verfügbar”, “Lieber einen albernen Namen, als lächerliche Politik!”, “Wir halten uns an das Grundgesetz. Da sind wir konservativ.”, “Nicht käuflich. Nur wählbar.”, “DU bist systemrelevant!”, “Keine Bildung ist viel zu teuer!”. Punkt. Mehr muss man da nicht sagen. Das ist Satire genug, die keine Erklärungen mehr braucht und die Partei eines sich für Chili-Gewürz haltenden Landesvorsitzenden erstmals und irgendwie letztlich auch verdient in den NRW-Landtag gebracht hat. 7,8 Prozent sprechen da eine sarkastische Sprache. So kann der NRWähler eben auch sein! Ganz obendrein schaffte man es noch, den Grünen den Schneid trotz Säbelrasseln auf der Polit-Planke nicht abzukaufen, obwohl man selber gut aussah. Ahoi, NRW!

Nun, was führte wohl dazu, dass trotz dieser ganzen Querelen so ein eindeutiges Wahlergebnis zu Stande kommen konnte? Natürlich: Besagte Bondenständigkeit und besagtes klares Denkvermögen der Einwohner des besten Bundeslandes von Deutschland…ach, was sage ich…von der ganzen Welt!

Spätestens, wenn man neben der Wahlkabine, die natürlich zu eng ist, weil wir bei den ganzen Leuten in NRW nun mal nicht so viel Platz haben, einen Opa bei der Abgabe seines Stimmzettels sagen hört “Früa waa datt ja hier noch ganz andas. Da mussteße ja noch ´n Ausweis zeigen!”, dann weiß der NRWähler: Jawoll, datt kannze nich leuchnen, hier bisse zuhause, hier gehörße hin! Und das weiß unsere Landesmutter auch. Die KRAFT von Nordrhein-Westfalen liegt in der Seelenstärke unserer Bürger begründet!

So eine grandiose Wahl – ja, die muss uns erstmal jemand nachmachen…!

Analyse der “heute-show” vom 11.05.12

Eine neue Folge der “angeblichen Satiresendung” (O-Ton Wolfgang Kubicki) flimmerte gestern über die ZDF-Bildschirme und es geht schon langsam aber sicher in Richtung Sommerpause.

Ein stetiger Anstieg von inhaltlicher Qualität und Quoten konnten wir hier in den letzten Wochen ausmachen. Doch geht dieser nun in den letzten Wochen vor der Pause weiter?

Für die Ausgabe dieser Woche galt Folgendes:

Beste Sprüche von Welke: (einleitend zum “Erfolg” der FDP bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein) Jetzt gucken sie aber blöd. Jetzt gucken sie blöd, all die Sendungen, die die FDP schon totgesagt haben, ne? Sendungen wie … WIR! Und dann holen die 8,2 Prozent in Schleswig-Holstein, meine Damen und Herren! 8,2! Hab erst gedacht, das wäre ein Zahlendreher…” & (nachdem Wolfgang Kubicki die “heute-show” in einem Einspieler wie oben bereits erwähnt beschrieben hat) ANGEBLICHE Satiresendung? Wir sind ´ne ANGEBLICHE Satiresendung?!! Das ist völlig richtig! Doch zurück zur ANGEBLICHEN Partei FDP, meine Damen und Herren…!” & (nach einem Einspieler, indem zwei ältere Damen sich beschwert hatten, dass Hannelore Kraft im Straßenwahlkampf zu wenig Zeit für sie zum Reden gehabt hätte) “Die rechte musste noch zur Beerdigung von ihrem Friseur.”  (noch mehr Sprüche von Olli unter “Weitere Inhalte”)

Beste Fotomontage: “NOBBYTHEK”, Band 3 zum Thema “Wahlen verlieren”, erschienen im vgs-Verlag und mit einem Norbert Röttgen auf dem Cover, der den Bart von Jean Pütz trägt. (als Anspielung auf die ehemalige WDR-Kultsendung “Hobbythek”)

Beste Schalte: Zu Lutz van der Horst, der ja sonst bekanntlich immer auf Parteitagen seine vollen Stärken ausspielen kann, sich dieses Mal aber auch im Straßenwahlkampf von Spitzenpolitikern bewähren konnte. Spitzenpolitiker welcher Parteien und wo? Natürlich der Grünen in NRW. Haupterkenntnisse: Jürgen Trittin fühlt sich hip genug und Sylvia Löhrmann will keinen Ölteppich vor Amerika, nur weil er ihrer Partei helfen würde. Das wäre ja “Scheiße!”. Die Piraten werden scheinbar weniger gefürchtet als gedacht und dennoch meint van der Horst, dass es eine schwierige Mission sei, die Grünen wieder hipper zu machen. Er behauptet, es gebe nur einen, neben dem sogar die Grünen noch jung und hip wirken würden und gibt wieder ab zu Welke ins Studio.

Gast: Fehlte auch dieses Mal wieder

Studio-Aktion: Aufgrund der “Anti-Europameisterschaft” im Juni moderiert Birte Schneider “das aktuelle heute-show studio” in Anlehung an “das aktuelle sport-studio” vom ZDF. Dazu muss sich auch das hinter ihr sitzende Publikum originalgetreu geben und kleiden. Welke wäre wohl selbst nicht drauf gekommen, dass das Publikum besoffen sein, grölen und Deutschland-Accessoires tragen müsse, denn er kenne sich ja mit Fußball nicht aus. Schneider meint, Deutschland müsse bei der EM gegen alle spielen, weil die anderen Länder sauer auf den von uns vorgegebenen Sparkurs seien. Christian Ehring als der Töppi der “heute-show” meldet sich live von der Akropolis und gibt an, dass die Griechen sehr aggressiv spielen werden. Dimitri Kreuzbandrissos bestätigt dies als “schwaches kleines Männchen”, welches immerhin Philipp Lahm gefährlich werden könne. Zum Schluss der Sendung wird auf die Torwand geschossen, mit der die spanische Nationalmannschaft trainieren würde: Ein Loch mit einem Schäuble-Gesicht, für dessen Treffen es weitere 10 Milliarden Euro aus dem Rettungsfond geben würde und ein Loch mit einem Merkel-Gesicht, dessen Treffen einfach nur Spaß machen würde. Welke und Schneider treffen in beide Löcher, was aber natürlich leider nur eine Videomontage war, wie man auch am Bildschnitt erkennen konnte.

Animation: kam nicht vor

Weitere Inhalte: Christian Lindner wird vom Fernsehen an einer Autobahnraststätte in Braunschweig zum Wahl”erfolg” von Wofgang Kubicki befragt. Welke will daraufhin genau wissen, wieso gerade dort und schaltet zu Ulrich von Heesen, der sich genau von da meldet. Es stellt sich heraus, dass hier ganz viele ausgesetzte Politiker herumstrolchen. Von Heesen füttert einen verlassenen Linken mit einer Bifi-Wurst und ist der Ansicht, dass Lindner und Kubicki ihren noch-Parteichef Philipp Rösler dort wohl auch bald absetzen werden… / Norbert “ich-fahr-mit-dem-Fahrrad-zur-Sitzung” Röttgen jammert bei “ZDFlogin”, dass dummerweise die Wähler darüber entscheiden, ob er NRW-Ministerpräsident werden könnte und nicht die CDU das bestimmt. Welke bekennt daraufhin, dass er an Röttgens Stelle auch nicht gerne vom Wähler abhängig wäre und wird von Norbi als “ein bisschen blöd” beschimpft. Olli beruhigt ihn damit, dass es ja ohnehin nur noch zwei Tage dauern würde, bis er wieder in sein geliebtes Berlin zurückkehren könne. / Ferdinand Wiegelmann (HSK) hat seinen eigenen “funky-SPD-YouTube-Channel”, in dem er flüsternd zu seinen Zuschauern spricht. “Hallo, da sind Sie ja wieder!” macht ihn auch Welke auch. / Das ZDF ist der wahre Sieger der Wahl in Schleswig-Holstein, denn keiner kann so gut Wahlberichterstattung: Total unauffällige Schleichwerbung fährt in Form der AIDAcara hinter dem Glasstudio von Bettina Schausten vorbei. Ein lautes Schiffshorn wird von der “heute-show” drübergelegt und Welke merkt, dass er plötzlich Bock auf ´ne Kreuzfahrt hat. (dem Chef-Autor dieses Blogs, der auch schon einmal mit der AIDAbella gefahren ist, ging es danach übrigens ebenso) / In Köln-Ehrenfeld sind aufgrund der Eskalationen zwischen Salafisten und ProNRWlern Polizei-Panzer aufgefahren. Welke zu letzterem: “Das passiert sonst nur, wenn bei ALDI mal wieder billige Laptops im Angebot sind!”. Gernot Hassknecht lässt sich zum selben Thema zum zweiten Mal in der “heute-show”-Geschichte im Studio blicken und regt sich bei Welke am Schreibtisch über beide Gruppen auf. Sein Fazit: Sowohl die Salafisten als auch die ProNRW-Deppen würden für überhaupt keinen sprechen, außer für sich selbst. Die Mehrheit würde sie zum kotzen finden. Es folgte lauter Applaus des Studio-Publikums, welcher sogar mit einem “Bravo!”-Ruf garniert war. Übrigens meint Hassknecht, dass er sich nur dann aufregen würde, “wenn es einen verschissenen Grund dafür” gebe. / Infolge der Zusicherung Merkels an den neuen französischen Präsidenten Hollande, dass er mit offenen Armen von ihr empfangen werden würde, bezeichnet Welke die Kanzlerin ganz direkt als “charmloses Luder”. Der arme Zarko sei ja noch nicht mal kalt. / Was für “rückgratlose Schleimer” beklatschen eigentlich Wladimir Putin nach seiner Vereidigung als neuer russischer Präsident? Ach ja: U.a. auch Gerhard Schröder! Das passe natürlich, wie Welke meint.

Quoten: Sehr gute 2,42 Mio. Zuschauer erhielten die Zweistelligkeit des Marktanteils mit 10,8 %.

Gesamt-Note: 2+

Vor allem dank der zahlreichen super Sprüche von unserem vielbeschäftigten Anchor-Man, der ja trotz seiner mannigfachen Aufgaben in der “heute-show” stets bestens aufgelegt ist (selbst bei Krankheit), eine tolle Folge! Zur perfekten Abrundung fehlten eigentlich nur noch eine nette Mainzelmännchen-Animation und ein launiger Polit-Gast.

Übrigens hat Welke auch insofern Recht, als er sagt, dass es Wahnsinn sei, wieviele Sachen inzwischen schon nicht im “heute-show”-Fanshop verkauft werden würden. Ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift “Ein großer Shit für die FDP” gibt es seit gestern da übrigens auch nicht.

Den Fanshop wünschen wir uns ebenso sehr wie bald endlich mal wieder einen Gast. Letzteren hoffentlich noch vor der Sommerpause…

kontrovers: Macht Welke zu viel?

Oliver Welke – nicht nur der Mann der vielen Sender, sondern auch der Mann der vielen Aufgaben: Neben unserer “heute-show” betätigt er sich als Fußballmoderator in vielfacher Ausführung, ist des Öfteren mal Gast in anderen Shows (egal ob als Talkgast, Jury-Mitglied oder Quizkandidat), ist dem Filmmetier nicht abgeneigt, hat eine eigene Produktionsfirma und nicht zuletzt auch Frau und zwei Söhne. Ist das alles zuviel nebenher, um sich der “heute-show” noch in ausreichendem Maße widmen zu können oder beflügeln ihn solche ergänzenden Aktivitäten im Gegenteil vielleicht sogar?

Unsere “kontrovers”-Frage dieses Mal lautet daher:

Macht Oliver Welke zu viel?

JA Zu viele Sendungen verderben den Brei! Doch wieso eigentlich Brei? Die “heute-show” ist Qualität. Und damit sie das auch bleiben kann, muss ihr Mitschöpfer, Mitautor und Moderator ihr auch möglichst viel Zeit widmen. Die “heute-show” ist nun einmal Welkes eigenes Baby. Die Vielzahl an anderen Einsätzen von ihm müssten nicht sein. Natürlich stört es nicht, wenn er während “heute-show”-Pausen anderen Dingen nachgeht, doch wenn seine Vorzeigesendung läuft, sollte sein Augenmerk vorrangig auf ihr liegen. Dieser Sendung hat er seinen Stempel aufgedrückt, sie ist seine wichtigste und die erste, mit der er sofort in Verbindung gebracht wird. Wer einmal Komiker ist bleibt es auch. Da passt es nicht oder macht nur unglaubwürdig, wenn man andere, scheinbar seriösere Nebentätigkeiten hat, bei denen man im Gegensatz zu seinem Flaggschiff obendrein auch noch relativ farblos und austauschbar wirkt. Nicht umsonst ist allen voran Welkes Funktion als Fußballmoderator auch relativ umstritten. Viele Fußballfans mögen den Komiker im Stadion bei Euro-League, Champions League oder “LIGA total!” nicht so recht ernst nehmen. Zudem werden es nicht seine Fußballauftritte sein, mit denen man sich an ihn nach seiner Karriere mal vorrangig zurückerinnern wird. Diesen Platz wird seine Rolle als brillanter Satiriker der “heute-show” einnehmen. Dass alle Auftritte neben dem Fußball noch überflüssiger sind, versteht sich nun schon von selbst. Zuletzt darf man nicht vergessen, dass Welke obendrein noch Familienvater ist, als der er ebenso gebraucht wird. Als “heute-show”-Fan will man nicht, dass er deshalb nachher noch merkt, von seinen ganzen TV-Auftritten überfordert zu sein, um eine Kreativpause à la Schmidt oder Pilawa einzulegen. Dann gäbe es gar keine “heute-show” mehr. Das Schlimmste, was ihm und uns Fans passieren kann. Irgendwann muss die Grenze an Nebentätigkeiten erreicht sein; der April war “heute-show”-technisch schon schwach genug!          (meint Gregor Elsbeck, Chef-Autor)

NEIN Zuerst einmal muss festgestellt werden: An der Anzahl der Fußballmoderationen von Oliver Welke verändert sich erst mal nichts; schließlich moderiert der Anchor statt des Verlierer-Cups Europa League die Königsklasse in der Champions League. Das ist schöner für Welke selbst und festigt seine Stellung als ZDF-Gesicht, Europas höchste Fußball-Spielklasse läuft ab dem Sommer ja im Zweiten. In Europa und bei „LIGA total!“ hat Olli schon seit Beginn der „heute-show“ Fußball präsentiert, alle Höhen, alle Tiefen miterlebt. Die inhaltliche Qualität hängt also nicht mit dem Sport zusammen, bald hat er dort sogar weniger zu tun, wenn „LIGA total!“ eingestellt ist. Außerdem macht der Fußball ihm einen Heidenspaß, motiviert ihn vielleicht gar für die Politcomedy: Warum sollte er sich sonst die langen Reisen durch Europa zumuten? Fußball, das ist Welkes Metier, dort kommt er ursprünglich her. Doch sein Engagement bei anderen Shows („Ich kann Kanzler“) und seine TV-Auftritte bei Raab & Co. sollten deutlich zurückgefahren werden. Die sind zeitaufwändig, helfen Welke nicht, vom Image des „7 Tage, 7 Köpfe“-Zotenkönigs wegzukommen. Außerdem ist Herr Welke ja jetzt Journalist. Oder möchte zumindest (auch) als ein solcher wahrgenommen werden. Da stehen einem alberne Auftritte in Quiz-Sendungen nicht wirklich gut. Und nebenbei verhelfen solche Unterhaltungsauftritte einem Kalkofe-Spruch über den Nachrichtensatiriker zu von Welke ungewollter Wahrheit: „Jeden Tag ‘ne andere Show, die Rampensau im Telezoo.“ Ach ja: In Material Arts-Filmen möchte er ja auch noch – vor und hinter der Kamera – mitwirken, der Vielbeschäftigte. Aber „Triple WixXx“ lässt ja schon lange auf sich warten. Welke braucht zwar ein besseres Zeitmanagement, aber zu viel macht er (noch) nicht, denn zumeist sind seine Arbeiten außerhalb der genannten Unterhaltungssendungen, in die er nicht wirklich reinpassen mag, qualitativ hochwertig!                                                                    (meint Roman Link, stellv. Chef-Autor)

FAZIT Konsens dürfte wohl sein, dass Welkes Aufgaben außerhalb der “heute-show” die inhaltliche Qualität derselbigen in keiner Weise schwächen dürfen. Auch, dass es ihm zu gönnen ist, wenn er die Dinge tun kann, die ihm wirklich Spaß machen, wird niemand bezweifeln wollen. In welchem Ausmaß diese anderen Aktivitäten aber möglich sind und ob sie ihm überhaupt gut tun oder nicht – das ist alles Ansichtssache. Auf der einen Seite darf man Welke wohl zutrauen, dass er es selbst schon am besten wissen wird. Auf der anderen Seite macht zu viel Erfolg allerdings bekanntlich auch betriebsblind und es braucht Stimmen von außen. Vermutlich wird ein Mittelmaß der Königsweg sein – in Sachen Anzahl und Umfang ebenso wie in Sachen Einspruch. Wir vom “heute-show”-Fanblog werden die scheinbare Problematik jedenfalls auch weiterhin interessiert verfolgen…

Zum Schluss sind Sie nun wieder gefragt, liebe Leser: Wie stehen Sie zu unserer heutigen Frage?           Wir sind auf Ihre Kommentare gespannt.

Analyse der „heute-show” vom 04.05.12

Nachdem die „heute-show“ vorletzte Sendung nicht ganz so prickelnd verlief, stieg sie auf der Unterhaltungsskala letzte Woche weiter nach oben. Ob das diesmal so weiter geht, erfährt man hier im Einzelnen:

Bester Spruch von Welke: „Also seht’s mal ein, Grüne: Ihr seid im Grunde wie Madonna: Erfolgreich in den 80ern und 90ern, aber heute nur noch faltig, alt und neidisch auf Lady Gaga.“

Beste Fotomontage: „Sie verlassen den zivilisierten Sektor“ (Ein Schild mit eben genanntem Schriftzug, welches dem Betrachter zeigt, dass er Schleswig-Holstein betritt.)

Beste Schalte: Einmal mehr zu Martin Sonneborn, der sich als BILD-Mitarbeiter tarnt und sich bei den Lesern der „Zeitung“ angesichts des BILD-Jubiläums für das miserable Niveau entschuldigt. Beispielsweise fragt er ein älteres Ehepaar, ob sie überhaupt verstehen, was die BILD-Zeitung so schreibt. Als Beispiel nennt Sonneborn das Wort „Nippel-Alarm“, welches der Ehemann ohne Hemd daraufhin erklärt: „Wenn die Brustwarzen, im Prinzip, wenn die zu sehen sind“, woraufhin Sonneborn erwidert: „Also wäre bei Ihnen jetzt Nippel-Alarm?“. Anderen Leuten stellt er eine Schlagzeile als Frage mit dem Titel „Macht Hartz 4 faul?“, woraufhin eine Frau sagt: „Für manche Menschen ja. Und alle Ausländer, die hier herkommen, die leben ja auch gut von dem Geld!“. Als Entschuldigung für 60 Jahre BILD überreicht er den Menschen zum Abschluss noch ein Arte-Magazin.

Gast: Weit und breit niemand zu sehen.

Studio-Aktion: Mit den Worten „Wir durften leider nicht bei ALDI drehen und haben daher von Ihren GEZ-Gebühren eine komplette Filiale originalgetreu nachgebaut“ führt Oliver Welke diesmal in die Studio-Aktion ein. Tina Hausten sitzt als Verkäuferin an einer ALDI-Kasse und erklärt, wie die Supermarkt-Kette in die Ausschnitte von ihren Kundinnen filmt. Außerdem erklärt sie Welke, dass ALDI Nord längst nicht so schlimm ist, wie ALDI Süd, denn da werden die Mitarbeiter schließlich nur zur vollen Stunde geschlagen. Hausten glaubt, dass an allen deutschen Arbeitsplätzen gefilmt wird und hat das Gefühl, dass dies im ZDF-Studio nicht anders ist. Anschließend folgt eine Durchsage „17 bitte die 80“, was bedeutet, dass „eine 17-Jährige mit Körbchengröße 80D die Filiale betreten hat.“ Außerdem werden laut Hausten typische Frauenprodukte grundsätzlich in die unteren Regale geräumt. Allerdings seien Männer, die es sexuell erregt, wenn sich übergewichtige Hausfrauen nach Hundefutter bücken, eh schon genug gestraft. Daraufhin wird aus einem „internen Papier“ von ALDI ein Auszug gezeigt, in dem es heißt: „Kontrolle ist positiv und wichtig. Der Mitarbeiter hat ein Recht auf Kontrolle.“

Animation: Aus demselben Beitrag. Ein Mainzelmännchen sitzt als Filial-Leiter vor einem Bildschirm und filmt munter das Hinterteil einer etwas übergewichtigen Kundin.

Sonstige Highlights: Laut Welke wird die Sprache in Zeiten von Wahlen etwas rauer. Er fragt Caren Miosga, ob sie das auch so sieht, die antwortet: „Was willst du, du Schwuchtel? Du hast mir gar nichts zu sagen!“ / Oliver Welke auf Hannelore Krafts Aussage „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt!“: „Wow, wie ungewöhnlich. Der Mensch im Mittelpunkt. Bei allen anderen Parteien steht ja der Schimpanse im Mittelpunkt.“ / Oliver Welke versucht, bei einem Dialog zwischen Röttgen und Kraft mitzuschreiben, scheitert aber kläglich, da Röttgen ständig irgendwelche Zahlen dabei verwendet. Mit den Worten „Wer schreibt dem denn die Texte? Graf Zahl?“ bricht er ab. / In einem Film soll Schleswig-Holstein dem Zuschauer nähergebracht werden. Dort heißt es unter anderem: „Weltberühmt für seine Toleranz und seine notgeilen Politiker.“ / Schalte zu Claus von Wagner, der gleich vier Karteikarten wegwerfen muss, nachdem Welke ihn ermahnt, diesmal keine schlechten Wortspiele, wie „Hedwig-Holzbein“ zu machen. Laut von Wagner muss man, um in Schleswig-Holstein als Politiker bekannt zu werden, mindestens was mit einer 16-Jährigen anfangen oder sich eine Badewanne einlassen. Anschließend zeigt er Ausschnitte aus dem Video-Blog von Torsten Albig, in dem man Dinge erfährt wie „Wir haben heute den xten Tag von x Tagen“ oder „Das hinter mir ist mein Strandkorb“, was von Wagner nur mit „Super, den wähl‘ ich. Der hat einen Strandkorb!“ kommentiert / „BILD ist für mich eine Boulevard-Zeitung, die mich sehr gut informiert.“, sagte Hellmuth Karasek, woraufhin Welke scherzt: „Der Karasek hat halt nicht so viel Ahnung vom gedruckten Wort.“ / Nachdem ein Journalist, der Christopher Lauer von der Piratenpartei interviewen sollte und nach ein paar Sekunden keiner der beiden mehr wusste, was die Frage war, kommentiert Welke: „Was weiß ich denn, was ich vor 10 Sekunden vor mich hin gebrabbelt hab? Ich bin Journalist!“ / Auf dem BPT der Piraten werden jetzt „Free Hugs“ verteilt, um ein bisschen mehr Liebe in die Piratenpartei zu bringen. Welkes Reaktion: „Mehr Liebe – ein wichtiger Hinweis in einer Partei, die zu 86% aus männlichen Jungfrauen besteht.“ / Die weiblichen Piraten wollen nicht „Piratinnen“ genannt werden, woraufhin Welke „Pirateuse“, „Piratussi“ und „Hafenschlampe“ vorschlägt. Außerdem fragt ein Phoenix-Reporter eine Pirateuse, ob eine Frau nicht vielleicht die bessere Kandidatin wäre, woraufhin die Piratussi entgegnet, dass den Job auch ein transsexuelles Eichhörnchen machen könnte. / Christian Ehring ist als Experte für menschenverachtende Ballsportarten im Studio. Laut ihm soll man eben nicht Deutschland gegen Holland in der Ukraine gucken, sondern beispielsweise Irland gegen Kroatien in Polen. Denn Fußball ist Fußball. Außerdem wollen die Politiker sich eh nicht anlegen. Als Welke fragt, ob er die Ukraine meint, antwortet Ehring: „Quatsch, mit Adidas und Nike. Mit den Sponsoren! Ukraine – die haben ja nicht mal Öl, die Vögel.“ Zum Schluss fragt Ehring Welke, was eigentlich mit den Tickets sei, die Welke ihm besorgen wollte. Allerdings handelt es sich dabei um das Spiel Irland gegen Kroatien. Aber Fußball ist Fußball.

Quoten: 2,68 Mio. Fans sahen gestern bei der „heute-show“ zu, was der besten Zuschauerzahl seit dem Jahresrückblick 2011 und einem Marktanteil von tollen 12% entspricht.

Gesamt-Note: 2

Ja, nicht nur quotentechnisch hat sich die „heute-show“ nun verbessert, sondern auch inhaltlich. Allerdings kann man so langsam die Gäste vermissen, denn seit März hat man hier keinen mehr gesehen, wo die wohl alle bleiben?